Geschichte
Die Geschichte des Instituts für Statistik
Von der Einrichtung des Lehrfachs unter Maria Theresia im Jahr 1774 bis zum heutigen Institut für Statistik und Operations Research: Die Geschichte des Instituts umfasst zweieinhalb Jahrhunderte Lehre und Forschung in Wien.
Die Anfänge des Lehrfachs (1774–1908)
1774: Statistik wird eigenständiges Lehrfach
Per Hofdekret vom 12. November 1774 führt Kaiserin Maria Theresia die Statistik als selbständige Disziplin ein. Eine eigene Professur gibt es zunächst nicht. Die Vorlesungen hält bis 1790 Professor Christoph Schmid.
1790: Heinrich Josef Watteroth
Heinrich Josef Watteroth lehrt bis 1793 europäische und allgemeine Statistik. Er war Logenbruder von Wolfgang Amadeus Mozart und vermittelte Franz Schubert dessen ersten bezahlten Kompositionsauftrag, die Prometheus-Kantate.
1793: Ignaz de Luca übernimmt die Lehre
Ignaz de Luca unterrichtet bis 1810 das Fach Europäische und Allgemeine Statistik.
1810: Johannes Zizius wird Professor für Statistik
Johannes Zizius wird zum ordentlichen Professor ernannt. Er ist der erste Professor, der ausschließlich Statistik lehrt, und bleibt bis 1824 im Amt. Zu seinen Hauptwerken zählt die 1810 erschienene Schrift Theoretische Vorbereitung und Einleitung zur Statistik.
1825: Franz Kerschbaumer vertritt die Lehrkanzel
Dr. Franz Kerschbaumer vertritt die Lehrkanzel bis 1828.
1828: Johann Springer wird ordentlicher Professor
Johann Springer ist bis 1864 im Amt. Zu seinen Hauptwerken zählt Statistik des österreichischen Kaiserstaates aus dem Jahr 1840.
1864: Leopold Freiherr von Neumann
Leopold Freiherr von Neumann folgt Johann Springer nach und bleibt bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1881 im Amt. Zu seinen Hauptwerken zählt Grundriss des heutigen europäischen Völkerrechts aus dem Jahr 1855.
1881: Karl Theodor von Inama-Sternegg
Karl Theodor von Inama-Sternegg ist ein bedeutender Statistiker. Zu seinen Hauptwerken zählen Österreichische Statistik und das Statistische Handbuch. Im Jahr 1890 führt er die erste Volkszählung mit Zählmaschinen durch. Eine Büste im Arkadengang des Hauptgebäudes erinnert bis heute an ihn.
1908: Statistik wird von Privatdozenten gelehrt
Nach dem Tod Inama-Sterneggs lehren unter anderem Ignaz Singer, Franz Ritter von Juraschek, Ferdinand Schmid, Ignaz Ritter von Gruber, Walter Schiff, Karl Pribram und Franz Zizek das Fach Statistik.
Institutsgründung und NS-Zeit (1922–1954)
1922: Gründung des Instituts
Das „Institut für Statistik der Minderheitsvölker“ wird gegründet. Professor Wilhelm Winkler wird zum Vorstand bestellt.
1938: Wilhelm Winkler wird zwangspensioniert
Weil Wilhelm Winkler sich nicht von seiner jüdischen Frau Klara trennen wollte, wird er zwangspensioniert und persönlich diskriminiert.
1945: Rehabilitierung Wilhelm Winklers
Wilhelm Winkler wird rehabilitiert und wieder in seine frühere Professur eingesetzt.
Ausbau und Konsolidierung (1955–1992)
1955: Slawtscho Sagoroff wird Nachfolger
Slawtscho Sagoroff folgt Wilhelm Winkler nach. Zu seinen Hauptwerken zählt Theorie der volkswirtschaftlichen Energiebilanzen aus dem Jahr 1961.
1968: Gerhart Bruckmann wird zweiter Ordinarius
Gerhart Bruckmann wird als zweiter Ordinarius berufen.
1971: Leopold Schmetterer wechselt ans Institut
Nach dem Tod von Slawtscho Sagoroff wechselt Professor Leopold Schmetterer als dessen Nachfolger vom Mathematischen Institut zum Institut für Statistik.
1974: Franz Ferschl wird dritter Ordinarius
Franz Ferschl wird als dritter Ordinarius berufen, wechselt jedoch bereits 1976 nach München. Sein Lehrstuhl wird mit Günther Vinek neu besetzt. Vinek lehrt ab 1995 am neu geschaffenen Institut für Informatik.
1988: Georg Pflug wird berufen
Georg Pflug wird zum Universitätsprofessor berufen.
1990: Emeritierung von Leopold Schmetterer
Leopold Schmetterer tritt in den Ruhestand.
1991: Benedikt Pötscher wird berufen
Benedikt Pötscher wird zum Universitätsprofessor berufen.
1992: Emeritierung von Gerhart Bruckmann
Gerhart Bruckmann tritt in den Ruhestand.
Institut für Statistik und Informatik (1993–2011)
Bis dahin ist die Abteilung für Statistik Teil des Instituts für Statistik und Informatik an der Fakultät für Sozialwissenschaften. Mit Inkrafttreten des UOG 1993 wird die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik geschaffen. Das Institut wird dieser Fakultät unter dem Namen „Institut für Statistik, Operations Research und Computerverfahren (ISOC)“ zugeordnet.
Im Jahr 1998 wird der Name des Instituts in „Institut für Statistik und Decision Support Systems (ISDS)“ geändert.
2004 wird die Fakultät in die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und die Fakultät für Informatik aufgeteilt. Dies führt auch zur Aufspaltung des Instituts. Ein Teil verbleibt als Institut für Statistik an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, während der andere Teil an die Fakultät für Informatik wechselt.
1993: Walter Schachermayer wird berufen
Walter Schachermayer wird zum Universitätsprofessor berufen.
1998: Walter Schachermayer wechselt an die TU Wien
Walter Schachermayer wechselt an die Technische Universität Wien.
2004: Immanuel Bomze wird berufen
Immanuel Bomze wird zum Universitätsprofessor berufen.
2009: Hannes Leeb wird berufen
Hannes Leeb wird zum Universitätsprofessor berufen.
Institut für Statistik und Operations Research (2011–2024)
2011: Umbenennung des Instituts
Das Institut wird in „Institut für Statistik und Operations Research (ISOR)“ umbenannt und bleibt an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften verankert.
2013: Berufung von Nikolaus Hautsch
Nikolaus Hautsch wird zum Universitätsprofessor berufen.
2019: Emeritierung von Georg Pflug
Georg Pflug tritt in den Ruhestand.
2020: Drei Neuberufungen
Christa Cuchiero, Moritz Jirak und Tatyana Krivobokova werden zu Universitätsprofessor:innen berufen.
2023: Ruhestand von Immanuel Bomze
Immanuel Bomze tritt in den Ruhestand.
2024: Emeritierung von Benedikt Pötscher
Benedikt Pötscher wird emeritiert.
2024: Anerkennung einer Tenure-Track-Professur
Lukas Steinberger wird als assoziierter Professor anerkannt.